Aktuelles aus dem Wald
Zeitungsartikel aus dem Oktober 2025
Ist mein Kind ein Waldkind?
Zeitungsartikel aus dem Oktober 2025
Von Blindschleiche bis Essbare Blüten
Sommer im Waldkindergarten Rullstorf
Ist mein Kind ein Waldkind?
- Förderung im Waldkindergarten Rullstorf bei jedem Wetter -
erschienen im Oktober 2025, Dorfzeitung Scharnebeck und Rullstorf



Bilder einer Naturidylle und glücklich spielende Kinder schießen manch Einem spontan durch den Kopf, wenn von Waldkindergärten die Rede ist. Andere wiederum fragen sich: Könnte mein Kind ein Waldkind sein?
In Waldkindergärten verbringen Kinder und ErzieherInnen die Zeit ganz überwiegend im Freien. Kein Wunder also, dass sich viele Fragen um das Wohlbefinden bei jedem Wetter drehen. Die gute Nachricht ist: Es gibt für jedes Wetter patente Lösungen.
Im Sommer benötigen die Kinder Sonnencreme und einen Sonnenhut – wobei das Klima im Wald dank des grünen Laubs sehr ausgeglichen ist, sodass wir den Sommer bei angenehmer Wärme anstelle von Hitze genießen.
Während andere bei Regen schnell in den Häusern verschwinden, geht der Spaß für die Kinder im Waldkindergarten erst richtig los. Endlich wird die Regentonne wieder voll, auf den Sonnensegeln sammelt sich Wasser, das man abschöpfen kann. Die Wasserbahn im Sandkasten ist schnell gebaut! Pfützen laden zum Springen und Spritzen ein, ... Möglichkeiten über Möglichkeiten und glückliche Kindergesichter! – Vorausgesetzt alle sind warm und trocken. Gummistiefel, Matschhosen und Regenjacken, ebenfalls aus Gummi, leisten hier zuverlässige Dienste. Ein derart eingepacktes Kind kann wortwörtlich von oben bis unten Erfahrungen mit den Elementen Wasser und Erde machen und ist auch nach dem Spiel noch trocken und unter der äußersten Kleidungsschicht auch sauber. Sollte doch einmal die Höhe des Gummistiefels überschätzt worden sein, schaffen Ersatzkleidung und ggf. sogar Ersatzschuhe, die im persönlichen Fach des Kindes im Bauwagen gelagert werden, Abhilfe.
Auch Waldkinder, -Eltern und -ErzieherInnen wollen sich jederzeit in Sicherheit wissen: Bei besonders rauer Witterung wie Sturm, Gewitter oder extremer Kälte steht uns je nach Situation ein beheizter Bauwagen im Wald sowie ein Schutzraum außerhalb des Waldes in Scharnebeck zur Verfügung.
Wenn die Blätter von den Bäumen fallen, klettern auch die Temperaturen nach unten. Blumenzwiebeln für‘s nächste Jahr werden in die Erde gesteckt und auch die Kleidung betreffend ist ZWIEBEL jetzt das Zauberwort. Mit mehreren Schichten Kleidung zum An- und Ausziehen nach Bedarf sind die Kinder gut gerüstet, um den Tag im Freien zu verbringen. Moderne Hightechmaterialien leisten ihre Dienste und wer lieber auf Naturmaterialien zurückgreift, findet mit langer Unterwäsche aus einem Wolle-Seide-Mix und Wollwalk-Hosen zum Überziehen seine Outdoor-Kleidung der Wahl. Beides lässt sich auch wunderbar kombinieren. So kann die Kälte kommen! Wenn doch einmal Zehen oder Finger kalt geworden sind, können sich die Kinder im beheizten Bauwagen oder an einem beaufsichtigten Lagerfeuer wieder aufwärmen. Auch die Seele tankt beim Blick ins Feuer auf und es bieten sich ganz von selbst Gelegenheiten zum Vorlesen, Geschichten-lauschen und Erzählen.
So können auch sensiblere Kinder viel Zeit in der Natur verbringen und sich langsam mit Sonne, Wind, Regen, Schnee und Matsch vertraut machen. Spannende Spielideen lassen jedes Kind in seinem eigenen Tempo die Natur entdecken. Die vielfältigen Sinneserfahrungen bereichern zudem die weitere Entwicklung der Wahrnehmung, Motorik und vieles mehr. Gerade die kleine Gruppengröße von 15 Kindern und die ruhige Atmosphäre im Wald hilft sensiblen Kindern eine gesunde Stressregulation auszubilden.
Aber auch reizoffene Kinder mit viel Kraft – von vielen wohl als das klassische Waldkind betrachtet – lernen in der Umgebung des Waldes zielgerichtet mit äußeren Reizen wie auch eigenen Impulsen umzugehen, finden dafür leichter die nötige Ruhe und können sich gleichzeitig beim Klettern und Werkeln voll austoben.
Förderung der Motorik, sozial-emotionaler Prozesse, Sprache, Singen, Kunst, Vorschularbeit – alles ist im Wald möglich, angepasst an die dortigen Voraussetzungen und immer mit direktem Bezug zur unmittelbaren natürlichen Lebenswelt. Bildung für nachhaltige Entwicklung ist hier ganz natürlicher Bestandteil, ohne viel erklären zu müssen.
Neugierig? Wer herausfinden möchte, ob das eigene Kind ein Waldkind werden mag, ist herzlich zum Schnuppern in den Wald eingeladen. Schauen, ausprobieren, sich mit Groß und Klein unterhalten – freie Plätze sind noch vorhanden - wir freuen uns auf euch!
Von Blindschleiche bis Essbare Blüten
Sommer im Waldkindergarten Rullstorf
erschienen im August 2025, Dorfzeitung Scharnebeck und Rullstorf

Die Sonne scheint, alles schimmert freundlich hellgrün unterm Blätterdach. Am sonnigen Feldrand ist es richtig warm, unter den Bäumen dagegen auch bei höheren Temperaturen noch schön kühl. Ab und zu hört man Kinder rufen, dann wieder nur die Vögel zwitschern und Insekten brummen. Wurzelzwerge flitzen über den Bauwagenplatz.
Der Sommer ist angekommen im Rullstorfer Wald an der Buchholzheide. Die Wurzelzwerge, das sind wir, die Kinder vom Waldkindergarten Rullstorf. Wir sind zwischen 3 und 6 Jahre alt und sind jeden Tag ganz nah dran an allem, was im Wald passiert. Jüngst erst konnten wir eine Blindschleiche beobachten. Wir liefen durch den Wald und plötzlich hielten wir inne. - Was schleicht da huschend umher? Die Blindschleiche – übrigens gar nicht wie ihr Name sagt blind, sondern mit blendend glatter Haut - sucht sich ihren Weg durch den Wald. Anfassen dürfen wir sie nicht, sonst wirft sie ihren Schwanz ab, weil sie so große Angst hat und nicht gefangen werden will.
Aber das ist nicht schlimm, dass wir nicht alles im Wald anfassen dürfen, denn es gibt immer so viel zu gucken und zu entdecken! Neulich haben wir sogar essbare Blütensamen ausgesät und die Töpfe in der Nähe des Feldes in die Sonne gestellt. Da müssen wir jetzt fleißig gießen und geduldig warten. Bald kommen da die ersten zarten Keime aus der Erde und wenn die Blumen groß sind, dann dürfen wir sie nicht nur anfassen, sondern sogar essen. Die Blüten sind nämlich nicht nur hübsch, sondern auch bekömmlich. Ringelblume und Kornblume heißen die bekanntesten von ihnen. Wir sind gespannt. Und wer weiß - wenn wir im regnerischen Herbst mal wieder gemeinsam eine heiße Suppe über dem Lagerfeuer kochen, vielleicht gibt es dann ja Salat mit bunten Blüten dazu… Aber bis dahin heißt es erst einmal abwarten und gießen, gießen, gießen - und in vollen Zügen den Sommer genießen!
